Verfasst von: edelluc | Oktober 6, 2010

Tagebuch einer Krankenschwester an der Westfront im 1. Weltkrieg (1914-1915) – 8

Sonntag, 27. September 1914

Das Glück ist zur Zeit mit mir. Miss — hat gerade nach mir schicken lassen, um mir zu sagen, dass ich für einen Dauereinsatz im Ambulanzzug Nr. — (voll ausgerüstet) vorgesehen bin. Der Zug geht an die Front, zum nahesten Punkt auf den Schienen entlang der Kampflinie. Hat man je von soviel Glück gehört?

Wir sind zu viert, eine Army Schwester und ich, sowie zwei Jungschwestern; wir leben alle zusammen im Zug. Der Zug wird immer so weit geführt, so weit das Feldspital an die Frontlinie verlagert wird. Entweder schlagen wir die Deutschen bis Berlin zurück oder sie schieben uns zurück ins Meer. Es geht nun nach Braisne, etwas östlich von Soissons, südlich von Aisne, nordöstlich von Rheims. Der Zug ist bereits auf dem Weg und wir werden mit unserem Gepäck einsteigen, wenn er hier in St. Nazaire stehenbleibt. Wir werden zwei Tage und zwei Nächte mit Verwundeten verbringen und dann zwei Tage und zwei Nächte auf dem Rückweg Ruhe haben, wenn wir leer sind. Die Arbeit selbst wird eine der grauenvollsten werden, die möglich ist, da wir alle schweren Fälle im Zug haben, der auch ein Spital an Bord hat. Es war es wert fünf Wochen darauf zu warten um da ran zu kommen; jeder Mann und jede Frau, die in der Basis feststecken träumen davon an die Front zu kommen, aber nur einer von Hundert bekommt diesen Traum erfüllt.

Es gibt keine Zweifel, dass der “Horror des Krieges” sich selbst ad absurdum führt, bei dieser modernen Perfektion der Tötungsmaschinerie. Und die Zahl der Betroffenen, wie nie zuvor, und sie waren sich nie zuvor so bewusst, was passieren würde, wissen es. Die Details sind oft zur Veröffentlichung ungeeignet. Es gibt acht Fälle von Tetanus in Station Nr. —, von denen fünf starben.

Alle Patienten in Nr. — wurden heute gegen Tetanus geimpft. Sie haben es auch in den französischen Spitälern.

Ich ging zum “Abendgestaltung der Freiwilligen” der Truppen um 5 Uhr im Theater. Die Pater und der Union Jack und die Flaggen der Alliierten; und ein Piano auf der Bühne; Offiziere und Schwestern auf den Stühlen; und der Rest, vollgepackt mit Männern: sie waren sehr ehrfürchtig und ließen das Dach abheben mit ihren Hymnen, Glaubensbekenntnissen und Gottesgebeten. Hervorragende Predigt. Wir hatten Kriegsfürbitten und ein gutes Gebet, dass ich nicht kannte, dass mit „Stärke uns im Leben und tröste uns im Tod“ endete. Die Männer sahen drein, so wie sie sind, Britissh bis auf die Knochen; niemand könnte sie auf eine Meile mit einer anderen Nationalität verwechseln: Sauber, gerade, dünn, sonnengebräunt, mit klaren Augen, alle in ihrem besten Kampfesalter, keine farblosen Fettröllchen in ihren Gesichtern wie bei den Franzosen.

Der Mann der betete dürfte es lieben zu ihnen in dieser Stille zu reden, in der man eine Stecknadel fallen hätte hören können; er kennt seine Fähigkeiten.

Übersetzung aus dem Englischen von „Diary of a nursing sister on the Western Front 1914-1915″

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