Verfasst von: edelluc | Oktober 5, 2010

Tagebuch einer Krankenschwester an der Westfront im 1. Weltkrieg (1914-1915) – 7

Freitag, 25. September, 1914

Im Zug zurück nach Le Mans, 9 Uhr morgens. Wir landeten mit unserem müden, steifen und schmerzverzerrten Konvoi gestern Abend um 8 Uhr 45 in St. Nazaire. Die medizinischen Offiziere sagten uns, dass unsere Leute 1800 Fälle bearbeitet haben, die seit gestern morgen zurückgekommen sind. Ein Zug mit schweren Fällen brauchte 8 Stunden um entladen zu werden. Die Offiziere scheinen alle depressiv und überarbeitet zu sein, und sie drängten sich, um an Betten zu kommen in den verschiedensten Spitälern in St. Nazaire. Um 10 Uhr nachmittags wurden die letzten von der Motorambulanz abgeholt und wir aßen mit unserem Zivilchirurgen zu Abend, der sich auf eine Nacht außerhalb eines Zuges im Zelt vorbereitete.

Die R.T.O. fand für uns einen leeren erste Klasse Wagen in der Station, in dem wir schlafen konnten und der Seargant fand eine Kerze und Streichhölzer für uns und steckte uns ins Bett, nach einer kleinen Waschung, die von der Buffetlady vorbereitet wurde. Der Lärm dauerte die ganze Nacht an, also kamen wir zu nicht viel Schlaf, aber wir hatten eine anständige Pause und einen Floh im Bett.

Der Seargant holte uns um 6 Uhr 30 und wir hatten erneute eine kleine Waschung, und Kaffee und Brötchen mit Marmelade am Buffet. Dann fuhren wir zum Spitalsschiff „Carisbrook Castle“. Die Armeeschwester vom Dienst war furchtbar nett, führte uns hinüber, sorgte dafür, dass der Stewart heiße Bäder einließ, stellte uns Notizzettel zur Verfügung, behielt uns zum Essen – das netteste Mahl, dass wir seit Wochen gesehen haben! Das Schiff hatte 500 Fälle an Bord und konnte noch 200 mehr aufnehmen. Viele verwundete Offiziere.

Ein Captain erzählte mir von all seinen Abenteuern die er erlebte, seit er verletzt wurde, bis jetzt. In seinem Regiment wurden neun Offiziere getötet  und siebenundzwanzig verwundet. Er sagte, dass die Sache nicht gut laufe beim Rückzug, aber sie wussten niemals, wie kritisch es zu diesem Zeitpunkt war.

Nach dem Mittagessen, verabschiedeten wir uns herzlich und gingen zum A.D.M.S. Büro, um unsere Rückkehrbetätigungen bei der R.T.O. zu holen.  Dort hörten wir, dass zehn von unserer No. — Schwestern nach Nantes zum Dienst berufen wurden, um 4.28, also bewegten wir uns zur Station zurück, um sie zu verabschieden. Sie waren alle unglaublich glücklich schlussendlich abreisen zu können und wir hatten ein tolles Meeting. Der Rest von ihnen badet noch immer in La Baule und verfluchen ihr Glück.

Nachdem wir Kaffee in der einzigen „patisserie“ in der dreckigen kleinen Stadt bekommen hatten, kamen sieben stämmige, junge Offiziere der „Black Watch“ um Kuchen zu kaufen für den Zug heute nacht, wie sie sagten. Sie waren nahezu alles zweite Lieutnants, ein Captain, und waren  so aufgeregt an die Front zu kommen, dass sie kaum still halten konnten. Sie fragten uns begierig, ob wir viele Verwundete von “unserem Regiment” hatten und wie viele Opfer es gab und wie die Kämpfe verliefen und wie lange die Reise dauern würde. (Je näher man der Front kommt, umso länger braucht man, da Züge immer rangieren müssen und im Kreis fahren, um Platz für die Versorgungszüge zu machen.) Es scheint als hätten sie nicht die leiseste Idee worauf sie sich einlassen. Sie sind im nächsten Zug.

Ein Pater sagte uns, dass er der einzige in St. Nazaires Spitälern sei und für alle Truppen im Camp zuständig ist. (15.000 in einem Camp alleine.) Er hatte den Bischof von Khartoum gebeten ihm zu helfen, und einen anderen Bischof, die es beide schafften hierher zu kommen. Wir müssen nun die Lichter abdrehen und auf das Beste hoffen, bis sie zurückkommen und Freigang geben oder uns als Ersatz mitnehmen.

Übersetzung aus dem Englischen von „Diary of a nursing sister on the Western Front 1914-1915″

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