Verfasst von: edelluc | September 26, 2010

Briefe eines Soldaten (1914-1915) – 3

13. September, 1914

Das ist Krieg; hier sind wir und nähern uns dem Platz des Horrors. Wir haben die französischen Dörfer hinter uns gelassen, wo der Frieden noch immer schläft. Aber nun gibt es nichts als Tumult. Und hier sind direkte Opfer des Krieges.

Die Soldaten: Blut, Schlamm und Dreck. Die Verwundeten: Die, an denen wir zuerst vorbeikommen leiden am Wenigsten. Wunden an Armen und Händen. An den meisten kann man, inmitten ihrer Müdigkeit und Sorge, die große Erleichterung sehen, verhältnismäßig leicht davongekommen zu sein.

Weiter vorne, in der Nähe der Ambulanzen, begraben sie die Toten: da sind sechs, die auf Wägen hingestreckt liegen. Glatt gestrichen, mit Lumpen bedeckt, sie werden zu einer offenen Grube am Fuß eines Hügels gebracht. Einige Priester schreiten der Beerdigung eher militärisch voran, als feierlich. Etwas Stroh und Weihwasser über alle und so gehen sie dahin. Alles in allem sind diese Toten glücklich: Man hat sich um ihren Tod gekümmert. Was kann man über jene sagen, die weiter vorne liegen, nach Nächten der Einsamkeit und des Todeskampfes.

Von dieser Agonie bleibt für uns eine immense Sehnsucht nach Mitleid, Brüderlichkeit und Güte zurück.

Übersetzung aus dem Englischen von „Letters of a soldier (1914-1915)“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: