Verfasst von: edelluc | September 23, 2010

Briefe eines Soldaten (1914-1915) – 1

7. September, 1914

Wir sind für ein Abenteuer von Bord gegangen. Ohne irgendein beherrschendes Gefühl, ausgenommen vielleicht eine ausreichend ruhige Akzeptanz dieses Schicksals. Aber die Sensibilität wird durch den Anblick der Opfer wach gehalten, besonders die Flüchtlinge. Arme Menschen, wirklich entwurzelt, oder eher tote Blätter im Sturm, kleine Seelen in großen Umständen.

Ganze Züge von Viehwaggons, von denen man schlecht behaupten kann, dass sie ihren Zweck geändert haben! Züge, in denen sich die Einsamkeit dieser Menschen anhäuft, die von zu Hause weggerissen wurden und wie schnell sie zu Tieren werden. Elend hat ihnen all ihre Menschlichkeit weggerissen. Wir geben ihnen Essen und Trinken und schon sind sie blossgestellt: Die Männer trinken ohne an seine Frau und seine Kinder zu denken. Die Frau denkt an ihr Kind. Aber auch andere Frauen nehmen sich das ihre, unfähig zu teilen in diesem allgemeinen Gewirr. Unter diesen verlorenen Seelen ist eine die mein Herz berührt – eine Großmutter von 87 Jahren, erschüttert, hin- und hergeworfen von all diesen Schlägen, herumgewirbelt und aus diesen rollenden Käfigen gelassen. So zitternd und hilflos, so verloren …

Übersetzung aus dem Englischen von „Letters of a soldier (1914-1915)“

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