Verfasst von: edelluc | September 19, 2010

Tagebuch einer Krankenschwester an der Westfront im 1. Weltkrieg (1914-1915) – 1

Samstag, 19. September 1914, Le Mans, stationäres Hospital

Es scheint, dass wir Fünf von No. – die letzten Montag angekommen sind, ein anderes stationäres Lazarett weiter oben mit Personal verstärken sollen, wenn es fertig ist; zumindest lauten diverse Gerüchte so – wenn dem so ist, auch gut.

Wir waren den ganzen Tag in Haube und Schürze in L’Evêché, markierten Leinen und nahmen Befehle am großen Treppenaufgang entgegen. Die schlimmen Fälle scheinen alle hier aus den Zügen geworfen zu werden; es gibt einige grauenvolle Mund-, Kiefer-, Kopf-, Fuß- und Rückenverwundungen, die sich nicht erholen werden oder die verkrüppelte Wracks bleiben.

Man kann sich nicht vorstellen, dass dies alles mit Vorsatz geschehen ist und das keine davon Unfälle oder chirurgische Erkrankungen sind. Es scheint, als würden es alle als eine Selbstverständlichkeit ansehen. Die, die schlecht beisammen und bei Bewusstsein sind sprechen nicht, und die die besser beieinander sind, sind fröhlich und lächeln, und sind bereit sich „einen Nachschlag zu holen“.

In einem kleinen Raum liegen zwei verwundete deutsche Gefangene, mit bewaffneten Wachen. Der eine, dem durch das Rückgrat geschossen wurde starb, während ich dabei war – ein Krankenpfleger und eine Schwester waren bei ihm. Der andere ist ein Spion – annähernd gesund – der äußerst sorgfältig bewacht wird.

Es ist ein weiter Weg zwischen dem Schlachtfeld und dem Spital. Einer erzählte mir, dass er am Dienstag verwundet wurde, dann war er einen Tag im Lazarett und bis heute, Samstag, unterwegs. Kein Wunder, dass ihre Wunden voller Stroh und Gras sind. (Haben wohl nichts von Tetanus gehört). Die meisten haben ihre Kleider nicht ausgezogen, oder gewaschen; drei Wochen lang, nur Hände und Gesicht.

Keine Neuigkeiten aus dem Krieg, außer, dass die Deutschen sich gut befestigt haben und in ihren Positionen nördlich von Reims verschanzt sind.

Übersetzung aus dem Englischen von „Diary of a nursing sister on the Western Front 1914-1915“

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